28 March 2015

Absturz 4U9525 aus sizilianischer Sicht

Außer meiner Frau daheim geht es andere nichts an, dass meine Rentnerruhe 20 Tage braucht, um 2000 Kilometer von München nach Sizilien zu schaukeln. Dass sich meine zweite sizilianische Nacht in Olivieri-Marinello als mein Paradies erweist, dass ein herrlicher Platz mit seitlichem Baumschatten mich gegen die Mittagssonne schützt, dass sich im Meer schwimmen, danach heiß duschen lässt, ärgert Leser eher daheim im Land. Dass WiFi und Sat-TV stabil arbeiten, Läden vor Ort mich versorgen,  ist daheim selbstverständlich. Doch es hilft mir, die Ereignisse daheim wie unter einem Brennglas vergrößert zu empfinden.



Wer sich mit Nachrichten aus aller Welt vergiftet, sollte sich zum Ausgleich in einer idyllischen Natur erholen.  Der Blog "Alles Schall und Rauch" von "Freeman" titelt seine Story zum Freitag, den 27. März, drei Tage nach dem Absturz von 4U9525 "Die Vertuschung der giftigen Luft im Cockpit". Genau wie die Kampfpresse übelst die empörten Emotionen der aufgebrachten Menge bedient, ebenso lässt der Blogger "Freeman" seinen Unmut die Leser spüren:
"Giftige Luft" und "Bewusstseinsverlust" der Piloten klingt wie die Ursache für den aktuellen Fall. Das Problem mit der giftigen Kabinenluft ist schon lange bekannt, aber denkt ihr, die Hofberichterstatter der Mainshitmedien würden das jetzt zum Thema machen und Fragen bei den Pressekonferenzen stellen? Die plappern nur 1 zu 1 nach was ihnen die Behörden servieren, die Selbstmordtheorie ... und einige Leser als Papageien hier auch.

Seit wann sind der "Schmiergel", der "Lokus", die "Blöd" und die "Südtäuschezeitung", oder AERDE, ZETDEEF und ERTEEL, glaubhafte Quellen, die richtige Fragen stellen und echte und kritische Recherche betreiben? Ihre Aufgabe ist es, die Menschen zu verblöden und das System zu schützen und zu stützen. Ausserdem werden sie auf peinlichste Art von den britischen und amerikanischen Journalisten vorgeführt, die selber mehr herausfinden, und die deutschen Kollegen schreiben von ihnen ab.

Hier weiterlesen: Alles Schall und Rauch: Die Vertuschung der giftigen Luft im Cockpit http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2015/03/die-vertuschung-der-giftigen-luft-im.html#ixzz3VcZG9PBQ
Sie lügen alle, Blogger, Presse, Politiker, Priester, Manager. Lüge ist ihr Geschäft. André Heller witzelte: "Die Lüge ist wahrer als die Wahrheit, weil die Wahrheit so verlogen ist."  BILD macht BLÖD:



Meine ordinäre Ausdrucksweise, dass mir das Kotzen kommt, ist der Tatsache geschuldet, dass es so ist. Es dreht mir meinen hypersensitiven Magen um, wie aus allen Rohren Fakten zum Absturz des 24jährigen Germanwing Airbus gleich Maschinengewehrfeuer auf uns einschießen. BILD nutzt alle seine Manipulationsmethoden, um Menschen gleich hirnlosen Marionetten bis in den Krieg zu hetzen. Technik und Industrie müssen perfekt sein und bleiben, nur der Mensch ist schwach. Die Maschine ist stets unschuldig, edel, hilfreich und gut, Schuld und Schaden liegt nur beim Mensch allein. Der Jüngste und Schwächste in der Gliederkette bietet sich als Bauernopfer an.


Dass Udo Ulfkotte wie Michael Mannheimer den Tod von 150 Menschen instrumentalisieren, um dem jungen Mann ein Konvertierung zum Islam anzudichten, dass mehrere Atomkraftwerke nur Flugminuten von der Luftroute entfernt lagen, in die der Jet hineingesteuert hätte werden sollen, lässt sich achselzuckend mit der Wertung "Hass-Blogger" oder "Verschwörungstheoretiker" abtun.





Anders allerdings der Luftfahrtexperte Tim van Beveren in der hochkarätigen Phoenix-Runde, die sich angenehm von der Manipulations-Dompteuse Maybrit Illner absetzt.


Bild vom Facebook-Auftritt von KenFM

KenFM am Telefon: Peter Haisenko zum Absturz von Germanwings 4U9525
Der Luftfahrtexperte setzt sich klar von der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft in Marseille ab, die den jungen Copiloten für den Absturz verantwortlich macht. Der Luftfahrtexperte Tim van Beveren beharrt trotz massiven Widerstands des Moderators wie der Professorin Dr. Isabella Heuser (Direktorin der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité Berlin) auf einer denkbar anderen Version: Eine Ohnmacht des Copiloten wie durch einen Kohlenmonoxid-Vergiftung sei nicht ausgeschlossen. Dabei hätte er den Verriegelungsknopf auf Unlock halten können, nach vorne auf den Joystick gesunken sein können, dadurch dass Flugzeug in einen Sinkflug gezwungen und zum Absturz gebracht haben können. 


 BILD nutzt die emotionale Erregungskurve nach dem Tod von 150 Menschen, um den Copiloten zu dämonisieren und konstruktions-technische Unzulänglichkeiten als Märchen abzutun. Damit ist der technisch-industrielle und letztlich militärische Komplex, welcher Gewinne maximiert und Leben minimiert, rehabilitiert. Schuld liegt beim Menschen, weil Technik unfehlbar sein soll. Der Aktienkurs von Airbus, Germanwings und Lufthansa darf nicht weiter unter Druck kommen. Wo Technik wie in Tschernobyl, Fukushima oder wie bei der Endlagerung von Atommüll in der Asse tödliche Konsequenzen nach sich zieht, muss der Mensch, allenfalls höhere Naturgewalt ursächlich Schuld sein. Doch Schiller formulierte sprichwörtlich treffend und richtig: "Jedoch der schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn." Selbst wenn dier junge Mann die schreckliche Tat allein gemacht haben soll, so bleibt der Makel am Auswahlverfahren, der Ausbildung und Zulassung zum Piloten.


"Es schockiert mich,".... in welchem Einklang der mediale Mob Menschen in eine Richtung hetzt. Diese Richtung scheint mir für Industrie, Aktienkurse, Geschäft und Gewinn optimiert zu sein. Wer etwas anderes wissen, sehen, erforschen will, braucht alternative Medien. 


Nach etwa 35 Kilometern endlich wieder ruhige Räder in der Villa Touristico Marinello. Erste Bekanntschaften mit anderen Reisenden. Diesem Hymer-Piloten hat sein Sohn die Aufschrift "RENTNERKONSERVE" auf das Heck geklebt - dreist. Der Strand liegt vom Camp aus 100 Meter weiter. Zwischen Auto und Strand wäscht eine heiße Dusche das beim Trocknen juckende Salz von der Haut. Vögel zwitschern, keine Straße stört. Faul sein, abhängen, zur Ruhe kommen. Später mehr davon.


Zunächst die Etappe von Nicotera zum Hafen in Villa San Giovannai, rüber nach Messina, durch die Großstadt auf die andere Inselseite zur erholsamer Nacht in Villafranca. Erstmal Sizilien in Sicht. Der Fährbetrieb arbeitet bei Tag und Nacht. Meine Rückfahrkarte für 99 Euro gilt drei Monate lang. Ein starker Wind, fast schon ein Sturm, ließ das Schiff schwer schaukeln.


Die sechsspurige Packdichte lässt Raum für genug Fahrzeuge. Der Kahn legt ab, bevor er vollständig zugeparkt ist.



Man beachte die Angabe links im Navi: Bei einer Höhe von "-9m", also von minus neun Metern, wäre die Fähre ein U-Boot.

Entweder stimmten die Koordinaten für den Stellplatz in Messina nicht, welche das Buch "Mit dem Wohnmobil nach Sizilien" angab, was unwahrscheinlich ist, oder der Stellplatz wurde mittlerweile aufgelöst, oder es gelang mir nicht, ihn zu finden. Da mittlerweile jedoch schon von Nicotera 70 Kilometer hinter mir lagen, eine Stadtdurchfahrt zum imaginären Stellplatz mich an nordafrikanische Verhältnisse erinnerte, verließ mich alle Lust, Messina zu erforschen. Große Stadt, laut und oft dreckig. An jeder Ampel klopfen bettelnde Verkäufer von Taschentüchern an die Scheibe oder halten einfach nur einen Plastikbecher mit Bettlermiene vor die Scheibe. Zweiräder schleichen sich rechts ständig auf Tuchfühlung vorbei, dass es mir um die teure GfK-Hülle Angst und Bange wird. Stellenweise ist die Durchfahrt so eng, dass es notwendig wird, den rechten Seitenspiegel anzuklappen. Doch in den letzten vier Jahren haben mir Reisen und Ruhen etwa 20 Monate lang im Wohnbereich und 115000 Kilometer am Steuer mein Fahrzeug vertraut gemacht. Das Brummen des schweren Fünfzylinders beruhigt mich. Irgenwo lässt sich auch eine Parklücke finden, um dem Navi neue Koordinaten einzutrichtern. Mit einem Ziel 15 Kilometer weiter auf der anderen Seite der Insel - zum Glück noch über die Autobahn lässt sich Land gewinnen.

Nach einem der zahllosen Tunnel, welche heute meine Sicht auf die Landschaft einschränkten und dem Navi die Leitung zum Satelliten kappte, nach einem dieser Autobahn-Tunnel verweist ein Schild auf einen Parkplatz mit schöner Aussicht:


Die Aussicht bringt mir nochmals den Hafen von Messina ins Zoom-Objektiv meiner Kompakt-Kamera. Wer sich die Mühe machen will, erkennt die Mariensäule auf der Mole.


Eine Fähre nimmt gerade wieder Kurs auf das Festland, welches zum Greifen nah liegt. Doch dann führt mich die Autobahn auf die andere Inselseite zur Ausfahrt Villafranca.


Der Fahrstil in Messina wie die Zufahrt zum Camp über diese ausgetrocknete Flussfurt erinnern mich an "Nordafrika-in-Grün", mit reicher Vegetation.


Ein "Fleischhund", wie Chinesen solche Delikatesse nennen und züchten, bewacht den Platz. Das Vieh döst bei der Hitze, weswegen ihn bei Bedarf drei kleine Hunde wecken. Der Platz mischt recht charmant Müllkippe, Autofriedhof und Tierasyl unter alten Olivenbäumen. Der bellende Baß passt zum heulenden Wind, der das Auto schüttelt.


Noch ein Punkt, der mich an Marokko erinnert: Die Elektro-Installation. Sie ist für unsere Begriffe ebenso gewöhnungsbedürftig wie die Plastik- und Abfallberge in der blühenden Landschaft.


Durch dieses Sandbett führt der Weg zum Campingplatz. Doch ein Blick hinauf in die Berge zeigt, dass bei strömendem Regen diese Furt schnell unpassierbar wird. Zum Glück ist der Winter vorbei mit der hier ungewohnten Regenzeit. Genau gleich erzählten es die Menschen mir auch in Portugal 2013: "Soviel wie dieses Jahr hat es im Winter noch nie geregnet." Aber was soll man den Touristen auch anderes erzählen, die aus dem regnerischen, deutschen Winter in "sonnendurchfluteten Südländern" überwintern?


Den Rost auf dem Schild "CAMPING" sieht man auf dem Bild nicht. Ebenso wenig sieht man, dass der durch die Bäume schimmernde "Yogurthbecher", wie die Fahrer von Allrad-LKWs diese "Weißware" diffamieren, dass also der "Yogurthbecher" ein Wohnanhänger aus dem letzten Jahrtausend ist. Die Fahrer von Allrad-LKW, die im Sand bis zu 100 Liter Diesel in der Stunde verbrennen, meiden allerdings die Gegend. Denn wer sich seine 1000-Liter Tanks wie in Südmarokko für etwa 400 Euro volllaufen lässt, will nicht in Italien dafür das Dreifache zahlen. 


Herr und Hund vom Camp Peloritano: Obgleich das Vieh nur recht liebevoll mit seinem Drachenmaul nach den Armen seines Herrchen schnappt, zieht dieser doch recht beeindruckt seine Hände in die Höhe. Jedenfalls ist mein Obolus von 15 Euro für die Nacht bezahlt, Einkäufe sind in der Gegend ohnehin nicht zu machen. Mit dem Rad zu touren, steht mir der Sinn nicht. Also wird es morgen wieder weiter gehen - etwa 40 Kilometer sollten klaglos zu schaffen sein. Mein Bruder hat sich seit seinem letzten Blogbericht aus Tanger durch das verregnete Spanien schon nach Frankreich in seinem Ur-Hymer durchgekämpft und ist mittlerweile wieder daheim.


Mein Bruder zeigt von seinem Heimweg aus Marokko eindrucksvolle Wolken mit drohendem Regen:

http://ulrichthomas.blogspot.it/2015/03/cap-spartel-bis-le-pertus.html

Für mich geht die Reise langsam los. Nichts zieht mich nach München, außer meine Liebste daheim. Doch die fängt nächste Woche in der Spargelhütte als Verkäuferin an, hat dann abends vielleicht noch Zeit mit mir per Skype zu plaudern. In meinem Alten ist eine halbe Stunde Schwatz mit meinem lieben Weib ausreichend, wenn nicht befriedigend. Wenn bei mir tagesaktuelle Nachrichten einlaufen, dann lieber länger in meiner vom Wind geschaukelten Hütte bleiben und reizende Plätze auskundschaften!




Drei Bilder karikieren so treffend den heimischen Wahnsinn, dass mir die Lust vergeht, mich damit weiter zu beschäftigen.


Die Rezeption im Camp Marinello war nicht besetzt. Einfach in den Platz reinzufahren, sich breit machen, ist nicht mein Stil. Zwei andere Camps im Ort ähneln mehr Müllhalden als Nachtquartiere. Nach einem erfrischenden Meerbad, notwendigen Einkäufen im Ort, weist ein bärtiger Alter mir passende Plätze im Camp Marinello. Und wirklich: Es passt alles!


Nach Bad, Einkauf, Platzsuche, Bekanntschaft mit anderen Reisenden, erfrischt mich ein Tomatensalat mit Zwiebeln, Knoblauch, Antipaste und gelblich schimmerndem Maisbrot. Die Bergkirche im Hintergrund lockt in der Höhe. Doch dieser Anstieg auf 300 Meter mit der Abfahrt nach Tindari ist das eine nächste Tagesetappe von etwa sieben Kilometern - per Fahrrad!


Paul Keiser ist schließlich den langen Weg aus der Schweiz auch zeitlgleich mit mir hier eingetrudelt. Er ist allerdings schon seit Oktober unterwegs, hat in Italien drei Monate in einem komfortablen Appartment überwintert. Seine gut aufgeräumte und übersichtliche Website beschreibt Fahrt und Ausrüstung:

http://bike-outdoor.ch

Der Radler Paul schleppt 35 Kilo als Reisegepäck mit. Es ist in seinem zugigen Zelt bei 13 Grad und einbrechender Dunkelheit ab 19.00 Uhr ein überaus hartes Leben. Paul hat seinen Haushalt, sein Geschäft, selbst seine Wohnung aufgelöst, alles verkauft, seine Lebenhaltungskosten minimiert, sich aus der Schweiz abgemeldet. Seit Oktober reist Paul mit dem Fahrrad durch Italien. Drei Monate hat er sich am Meer ein Appartment gegönnt, um sich Wärme und Wohnkomfort im Winter zu gönnen. Jetzt lebt er auf dem gleichen Platz nahe bei meiner Luxushütte, verglichen mit seinem kleinen Zelt, dünner Matraze, Schlafsack, Licht aus einer Batterieleuchte. Mit Tablet, Navi, Kamera vertreibt sich Paul die Zeit und arbeitet seine Reise als Blog-Bericht auf. Doch zu mehr Gastfreundschaft als auf einen Tee reicht mein Gemeinschaftssinn nicht. Mein Magen macht mir zu schaffen. Es sieht aus, dass für mich Ruhe ansteht, viel mehr Ruhe. Durch den Panzer meiner Einsamkeit bricht nur meine Liebste daheim morgens wie abends mit ihrer Skype-Boschaft.


24 March 2015

Nicotera - Frühling vor Sizilien

Fünf Tage Rentnerruhe in Corigliano. Wäsche waschen, Einkaufen, Stadt- und Landbesichtigungen, Gespräche am Feuer, Kochen, Fernsehen, Internet, Lesen. Dann das tägliche Stelldichein per Skype morgens und abends mit meiner Liebsten. Jetzt bei Nicotera, Camping Mimosa: Nach Sizilien noch 50 Kilometer. Jeder vertrödelte Tag wie im Traum bringt mich dem Frühling näher.

Corigliano liegt 1400 Kilometer südlich von München.

In meiner Zwei-mal-sechs-Quadratmeter Rollhütte ist alles, was mir lieb und teuer. Die Kälte unter den Pinien am Meer sinkt nachts auf vier Grad. Dagegen mault der Heizlüfter unentwegt an, um die Innentemperatur um zehn Grad zu steigern. Doch vierzehn Grad reicht nicht, um am Schreibtisch seinen Gedanken nachzuhängen. Die Diesel-Standheizung brummt eine halbe Stunde bei Sonnenaufgang gegen die Kälte mit ihrer fünf Kilowatt an. Mit drei Hosen, drei Pullovern lässt es sich dann ab acht Uhr früh ganz kommod leben. Die Vögel ringsum bringen ihre morgendliche Symphonie auf den Höhepunkt. Was die gefiederte Bande immer zu schwatzen, zu jubilieren, zu schwadronieren hat! Vermutlich ist es wie bei den Menschen: Wer am längsten und lautesten quakt, der steigert seine Chancen bei der Begattung. Lustgreise wie Bunga-Bunga-Berlusconi oder Strauss-Khan, dessen Zimmermädchen mit einem Maul voll Sperma aus seiner Hotelsuite stolpert und sich für ihre Liebesdienste mit Millionen entschädigen lässt - alles Fälle für Aufsichtsorgane wie den Bundesrechnungshof, die Vergeudung von Steuergeldern zu geißeln. Mehr als wohlfeile Ermahnung haben die Verschwender nicht zu befürchten. Andere Länder, andere Sitten: Der Henker in Riad prügelt den Blogger zu Tode. In Deutschland bleibt Wortgeschwafel impotent. Bestenfalls beschweren sich Blogger, Kabarettisten oder Stammtischbrüder gegen Gier-, Geiz-, Gewalt-, Genuss-Gesellschaftler verrottender Plastikwerte. Das ist allenfalls unterhaltsam.


R.I.P., REST-IN-PEACE, Ruhe-in-Frieden: Autos auf dem Autofriedhof, Schiffe auf dem Schiffsfriedhof. Knochen von Kriegs- und Wirtschaftsflüchtlinge bleichen in der Sahara oder deren Körper füttern Fische im Mittelmeer. Gedanken kreisen im Kopfkino, welche sich kaum in die Öffentlichkeit von Buchstaben und Sätze wagen. Gern fantasieren Gutgläubige in esoterischen Lichtzirkeln, in Ruhe zu sitzen, sei "Meditation". Bei mir nicht. Gerade dann kreiseln Gedanken im Kopfkino mit größter Giftigkeit. Ein Beispiel: Wer würde zu behaupten wagen, dass die Wurzel des Flüchtlingselends in der hohen Geburtenrate liegt? Ruhige Recherche beschäftigt mich mit dieser Frage:


Zu dem Forum bei SPON schreibt ein Leser:
Thomas Malthus …
… hat das Verhältnis zwischen Bevölkerungs- und Subsistenzwachstum schon vor 200 Jahren beschrieben. Auf dem afrikanischen Kontinent gibt es kaum ein Land, dessen Bevölkerung sich nicht alle 30 Jahre verdoppelt – wie eben im 19. Jahrhundert in Europa. Wenn jeder Analphabet acht Kinder in die Welt setzen kann, ohne für deren Bedürfnisse sorgen zu können, dann gibt es eben Hunger, testosteroninduzierte Agression und in der Folge einen höllischen Migrationsdruck. Die postkolonialen Verhältnisse in besagten Ländern tun ihr übriges. Daraus eine generelle Verantwortung der Europäer abzuleiten – weil die europäische Wirtschaft dreckige Geschäfte mit den jeweiligen korrupten Eliten macht – halte ich mindestens für sehr abenteuerlich. Die Leute hier wollen verständlicherweise keine Armutsflüchtlinge aus Afrika – wie auf dem Foto mit dem überfüllten Boot zu sehen. Es gibt auch kein Gesetz in D (und auch in keinem anderen Land der EU), das afrikanischem Bevölkerungsüberschuss Wohlstand in der EU zusichert. Wann erscheint endlich ein Artikel über Fertilitätsraten und verantwortungslose Kinderproduktion? Sowas ist wahrscheinlich ein Tabu!?
Recht hat der Mann! Es ist ein Tabu, hohe Fertilitätsraten anzugreifen. Ganz das Gegenteil! Religiotische Machtverwalter und Machterhalter wie Erdogan fordern mindestens drei Kinder von jeder gebärfähigen Türkin. Die geistlichen Eliten im Iran drängen Frauen aus dem Erwerbsleben, damit Frauen mehr und vorrangig Nachwuchs aufziehen. In nicht wenigen Ländern ist Abtreibung ein Verbrechen wie die biologisch unfruchtbare Verbindung von Schwulen. Ein kriegs- und kampfgeiler Menschenmob betrachtet das Weib als Lustkörper zur Befriedigung, Befruchtung und zum Austragen und zur Aufzucht von "Stammhaltern". Die Folgen hoher Fertilitätsraten bringen uns zu Thomas Malthus und seinen Thesen. Wiki schreibt dazu:
In einer Kritik an der optimistischen Auffassung von William Godwin über die Vervollkommnungsfähigkeit der menschlichen Gesellschaft und deren prinzipielle Problemlösungskapazitäten hat Malthus in seinem Essay on the Principle of Population (1798) die Überbevölkerung als Problem einer sich entwickelnden Ökonomie und Gesellschaft herausgestellt. Malthus stellt es als augenscheinliche schicksalhafte Notwendigkeit dar, dass das menschliche Geschlecht blind dem Gesetze der unbegrenzten Vermehrung gehorche, während sich die Unterhaltsmittel, die es leben lassen, mit ihm nicht in denselben Proportionen vermehrten. Diese Tatsache erscheint ihm so erwiesen, dass er sich nicht scheut, sie als ein mathematisches Axiom zu formulieren, und er behauptet, dass die Menschen in geometrischer Progression und die Lebensmittel in arithmetischer Progression zunehmen. Im Zahlenbeispiel: Wenn ein Paar vier Kinder hat und diese wieder vier Kinder pro Paar, so wächst die Bevölkerung entsprechend; eine Steigerung der Lebensmittelproduktion folgt aber nicht in demselben Verhältnis. Durch verbesserte Bewässerung steigt die Produktivität etwa um 20 %. Dieser Zuwachs erzeugt dann aber keinen weiteren Zuwachs mehr. Es wird nach Malthus sonach ein Zeitpunkt eintreten, wo die Vorräte nicht mehr für die Erdbevölkerung ausreichen würden, wenn nicht jene Korrektive immer wieder dazwischen träten wie Krankheiten, Elend und Tod, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Malthus sprach damit sein wissenschaftliches wie moralisches Urteil über die Unglücklichen in einer Textpassage aus, die er in späteren Ausgaben zwar wieder getilgt hat, die aber als kennzeichnend gehalten wurde für den Geist seiner Lehre.
Nach der Theorie von Thomas Malthus wieder zur Praxis religiotischer Politik, die ihre Macht nach Köpfen zählt. Die Befruchtung steht nur dem Besitzer des Weibes zu. Andere Männchen, die gleich hechelnden Hunden einem läufigen Weibchen nachlaufen, sind vor der Sperma saugenden Loch-Verlockung weiblicher Macht durch schwarze Hüllen zu schützen.


Wem das nicht gefällt, setzt sich bei Gruppen wie Facebook für ein Burka-Verbot ein. Als ob der Ganzkörperschleier ein Problem von CDUSPDGrünLinksLiberalen Politspießern wäre! Als ob es ein Problem CDUSPDGrünLinksLiberal Politspießer wäre, wenn der anatolische Biedermann sein aufbegehrendes Weib grün und blau schlägt und die Mißhandelte voll verschleiert zum Einkaufen schickt! Getreu dem Sprichwort, ein Weib glücklich zu machen: "Knüppel im Rücken und Kind im Bauch."


  Was Thomas Malthus vor bald 250 Jahren schrieb, ist Gift für die Gutmenschelnde Gemeinde in ihren Spießergärten. Was Wiki von Thomas Malthus berichtet, gibt zu denken:
„Ein Mensch, sagte er, der in einer schon occupirten Welt geboren wird, wenn seine Familie nicht die Mittel hat, ihn zu ernähren oder wenn die Gesellschaft seine Arbeit nicht nötig hat, dieser Mensch hat nicht das mindeste Recht, irgend einen Teil von Nahrung zu verlangen, und er ist wirklich zu viel auf der Erde. Bei dem großen Gastmahle der Natur ist durchaus kein Gedecke für ihn gelegt. Die Natur gebietet ihm abzutreten, und sie säumt nicht, selbst diesen Befehl zur Ausführung zu bringen.“
Mittlerweile hat mein letzter Blog-Bericht mehr als 1200 Menschen unterhalten. Der Zuspruch freut mich, ändert aber nichts daran, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und selbst das zu schreiben, was politisch nicht korrekt ist.


Meine Frau daheim gibt mir per Skype morgens und abends Halt und Hilfe. Der Kontakt mildert nicht meine sich radikalisierenden Gedanken, die politisch nicht korrekt und nicht üblich sind. Aber wenn unkorrekte Gedanken kommen, welche Schere im Kopf soll sie abschneiden?


Ebenso bearbeitet Michael Mannheimer giftige Gedanken. Die gutmenschelnden, gelangweilten Vorgarten-Grün-Link-Rechten-Spießer wie auch Hartz-IV-Vollversorgte verachten Michael Mannheimer als Hass-Blogger. "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" des Internets. Lies keine Autoren wie Mannheimer, Elsässer, Ulfkotte, Pirincci, Abdel-Samad, Cahit Kaya, Ken Jebsen. Halte dich fern vom Propagandakanal "Russia Today". Dieser Schmutz- und Schund-Sender volksverderbender Feindpropaganda entblödet sich nicht einmal, am Sonntag eine Sendung mit dem Papst aufzumachen!


Doch bevor die Russen mit dem Papst Propaganda machen, erholen sich meine Gedanken besser bei meiner Frau daheim! Als Blogger in Europa läuft man zwar Gefahr, von Gutmenschelnder Aufsicht gesperrt zu werden - getreu dem Hit der Aufklärung "die Gedanken sind frei", die Schrift aber nicht, aber noch darf der Blogger hierzulande seine Gedanken ohne Furcht vor Peitschenhieben veröffentlichen. Schließlich ist der Leser selber schuld, wenn er seine Zeit mit Hass-Bloggern, Verschwörungstheoretikern, Volksverführern, Wehrkraftzersetzern oder sonstig sozial suspektem Gesindel vergeudet.

19 March 2015

Aus Paestum und Corigliano von Krieg und Bürgerkrieg

Flatrate im Camping Villaggio Thurium Calabria erlaubt ausgiebigere Recherchen. Der beginnende Bürgerkrieg in Frankfurt korreliert mit dem Krieg in der Ukraine. Deutschland muss mehr rüsten. Das kostet. Sozial abgeschriebenes Prekariat sieht harte Zeiten kommen: Das gilt für Rentner, Arbeitslose, prekär Beschäftigte ebenso wie für Krankenschwestern, Polizisten, Verkäufer, auch für Redakteure.

Pause in Paestum. Dort stärkt mich ein zweiter Tag für den nächsten Schritt gen Süden. Seit Wochen wabert ein Tiefdruckgebiet über Italien. Das bringt Regen und Kälte.


Eine lange Radtour am regnerischen Vormittag von Paestum nach Capaccio: Wo gibt es Internet-Flatrate? Eine Flatrate wie in Marokko war bislang nicht aufzutreiben. Vodafon bietet für einen Monat zehn GByte für 30 Euro plus der SIM-Karte für 10 Euro. Zehn GByte sind schnell verbraucht.



Calabrien bei dem schmuddeligen Regengrau drückt auf meine Stimmung. Es gibt viel verfallene Armut. Paestum hat zwar schon ein neues Bahnhofsgebäude. Doch die Ruine des alten Bahnwärterhauses steht noch mit schwarzen Fensterhöhlen neben den Gleisen.



Immerhin gibt es neben dem Vodafone-Laden ein Kaffee. Dort stärken mich Pizza, Wasser, Milchkaffee und ein köstliches Zitronentörtchen. Nachdem mich Stunden meiner Radtour im nieselnden Regen durchnässt haben, ist die Mittagspause wohl verdient.


Die griechisch-römischen Ruinen haben ein weitaus besseres Image als verrottende Wohnwagen, deren zerbrochenes Inventar aus Hartplaste in grünlichem Schimmel schimmert.


Grünlich wuchert Moos am griechischen Sarg. Bei dieser "Ruhestätte-ohne-Fenster" haben vermutlich mehrere Grabräuber mit vereinten Kräften die tonnenschwere Grabplatte abgehoben. 


Wo Priester und Eliten in solchen Tempeln promenierten, da wollen die Hinterbliebenen ihre Vorfahren nicht in Tontöpfen oder unter einem Baum verscharren.



Breit und bräsig steht der Tempel. Er hat Jahrhunderte, Wind und Wetter und vandalierenden Kriegshorden überdauert.


Die heutigen Zeiten in Kalabrien scheinen unsicher: In Capaccio zeigt dies Schmuckgeschäft seine Preziosen nur in einem winzigen Schaufenster. Vor dem Betreten des Ladens muss man alles Metall im Schließfach deponieren. Erst wenn die Eingangsschleuse kein Metall mehr beim Kunden vermeldet, gewährt der Juwelier Einlass - vielleicht.


Meiner rollender Studierstube in Paestum fehlt die Flatrate ins Internet. Das dreistündige Deputat, welches der Campingplatz dort gewährt, ist schnell verbraucht. Dafür dröhnen die Autolautsprecher von einem gewaltigen Konzert des Bayerischen Rundfunks. Der Astra-Satellit lässt mich Bayern Klassik mit Strauss, Berlioz, Bartholdy wie mit Wagner genießen. Die Bluetooth-Verbindung vom Alphatronics-TV, welcher Tags als Radio dient, zum Autoradio vom gleichen chinesischen Hersteller macht sich bezahlt. Der 500-Watt Heizlüfter schafft 22 Grad Wärme, während der regennasse Tag am Meer nicht mehr als 13 Grad zeigt. Doch nach Mittagsschlaf und Kaffeepause, nach unterhaltsamer Lektüre wie der romantischen Droste-Hülshoff Erzählung von der Judenbuche klingt ein geruhsamer Wandertag aus.


Meine wuschelige, puschelige Frau daheim wird sich um 19.00 Uhr zum Skype-Gespräch verabredungsgemäß einfinden. Das Bild zeigt sie auf unserer Italien-Reise im September 2002. Das kleine Auto lässt auf längeren Reisen wenig Raum für zwei Personen. Da hat sie sich schon Rüffel wie "Nervhasi" oder "Muffel-Bär" eingehandelt. Zudem hat sie bei unserer gemeinsen Marokko-Reise im letzten Januar-Februar über die Anstrengungen geklagt. Doch je weiter und länger sie fort von mir, wird sie wichtiger, hilfreicher und heilsamer, meine liebe Steffi-Mimamai Frau. Doch es ist ja auch leichter, sich aus der Ferne mit liebenden Sätzen zu schmeicheln. Zum Beispiel bieten Farmer bei Paestum Mozarella aus Büffelmilch an. Meine Frau will Bilder der Büffel sehen:




Die letzte Büffel-Dame schenkt mir mehr Beachtung als ihrem Futter. Die fruchtbare Erde hat den Griechen in Paestum eine Kornkammer geschenkt. Dazu liefert der Fischfang Eiweiß.


Mit einem letzten Strandspaziergang und mit sehnsüchtigen Blicken auf das Meer zwischen den links und rechts aufragenden Bergketten steht mir der Abschied von Capaccio und Paestum im Sinn. Der nächste Platz liegt bei Corigliano in etwa 220 Kilometer. Das Camping Villaggio Thurium ist ganzjährig geöffnet. Doch weil noch Zeit von meinem Deputat der drei Internet-Stunden/Tag übrig sind, sollte jeder, wer Zeit und Lust dazu hat, sich dieses Interview anhören:



 KenFM am Telefon: Willy Wimmer - Albrecht Müller - Dr. Daniele Ganser: Krieg gegen Russland


https://www.youtube.com/watch?v=uUht1s6m-7Q



Amerikanische Aussenpolitik wird, bevor sie das Weißen Haus verkündet, in Think-Tanks erdacht. Hier geht es vor allem um private Ziele die dann militärisch vom Staat umgesetzt werden. Einer der einflussreichsten Denkfabriken für Geopolitik nennt sich STRATFOR (Strategic Forecasting Inc) und wird von Georg Friedman geleitet.
Am 5. Februar 2015 traf sich STRATFOR in Chicago um über Krieg und Frieden auf dem Europäischen Kontinent zu beraten. Nach der Tagung kam es zu einem finalen Statement von Friedman. Der Gründer der Organisation nahm dabei kein Blatt vor dem Mund und sprach ganz offen über seine Ziele wenn es um die Politik der USA in Europa geht. STRATFOR ist auch im Umfeld des Präsidenten aktiv und hat einen heißen Krieg in Europa quasi beschlossen. Primäres Ziel dieses Krieges ist es, so Georg Friedman, einen Keil zwischen die Deutsch-Russischen Beziehungen zu treiben.


Der von Putin vorgeschlagene gemeinsame Wirtschaftsraum, der sich von Lissabon bis Wladiwostok erstreckt, ist den USA mehr als ein Dorn im Auge. Sie betrachten diese Idee als Kampfansage gegen Washington und sind bereit, dafür den Frieden in Europa nachhaltig zu zerstören.
Geht es nach STRATFOR, schießen Übermorgen schon wieder Deutsche auf Russische Soldaten.
Georg Friedman macht aus dieser Machiavelli-Politik keinen Hehl. Er gibt offen zu, dass die USA seit je her alles getan hätten um Russen und Deutsche wann immer es geht gegeneinander aufzuhetzen.
KenFM wagt einen umfangreiche Analyse der STRATFOR-Pläne und sprach dazu mit Willy Wimmer, Albrecht Müller und Dr. Daniele Ganser. Es geht auch um die Frage wie die europäische Politik sich aus dem zerstörerischen Kriegskurs der USA lösen können und welche Rolle aktuell der neuen Friedensbewegung zukommt.



Zumindest Willy Wimmer wie Albrecht Müller sind alte Männer, die nichts anderes wollen, als Schlüsse aus ihrer reichen Lebenserfahrung zu folgern. Für diese Männer wie auch für Dr. Ganser kommt Krieg näher. Doch damit vorerst genug der leidigen Politik. Jeder sollte sich klar darüber sein, dass Krieg uns alle Freuden und Früchte unserer Arbeit nimmt, sofern wir überleben. Erstmal weiter auf den Weg von Paestum nach Corigliano, an die Ostküste Süditaliens.



Am meisten auf der Fahrt beeindruckt mich die zauberhafte Küstenstadt zwischen aufragenden Bergketten Sapri.




Hier geht die Berg- und Talfahrt der Küstenstraße hinunter zu dem zauberhaften Städtchen Sapri. Das Meer schimmert durch die Bäume. Die Bergkuppen schmücken ihr schneegraues Haupt.


Während die Farben bei dem wolkenverhangenen Himmel erblassen, fährt man leichter in der Kühle. Dass es dann aber noch dicken Nebel in den Bergen gibt, das Thermometer nur noch sechs Grad zeigt, ist wiederum hinderlich.


Erstmal gibt es eine geruhsame Mittagspause am Meer. Es stört kaum Verkehr. Touristen sind außer mir noch nicht unterwegs.


Wie um mir den Abschied von Sapri zu erschweren, blinzelt sogar noch die Sonne durch die Wolken. Dass es dann in den Berghöhen so kalt und neblig werden würde, war da noch unvorstellbar.




Hier sind schon etwa acht-, neunhundert Höhenmeter erklommen. Die Berge sind kahl. Schnee liegt noch auf den Kuppen.





Die Karte verspricht dann etwa 20, 30 Kilometer hinter Sapri die schnelle Autobahn zur Ostküste. Doch die Freude, auf der Autobahn entspannt Kilometer abzuspulen, währte nur kurz. Dann war die Bahn wegen Bauarbeiten gesperrt. Es ging wieder in Berg- und Talfahrt auf kleinen Nebenstrecken, durch die sich auch der Schwerlastverkehr kilometerlang quälen musste. Bei meinen Mittags- und Kaffeepausen nötigten mir die 220 Kilometer etwa sechs Stunden Arbeit am Steuer ab.
 

Noch reicht die Sicht bis zu den Bergen, wenig später sieht man in den dichten Wolken keine 50 Meter mehr weit.


Endlich hat das Auto wieder einen festen Standplatz unter den Rädern im Camping Villaggio Thurium. Zwei Langzeit-Urlauber aus Coburg helfen mir, den Strom anzuschließen. Weil der Kasten gesichert ist, schrauben sie die Lasche ab, durch die der Schloßbügel führt. Mit eingeschalteter Sicherung stehen mir drei Ampere zur Verfügung. Die reichen für Heizlüfter, Kühlschrank wie Ladegerät. Der Heizlüfter muss wieder nachts durchlaufen, weil die Temperatur auf sieben Grad abfällt.


Castello die Corigliano, Calabro

Neuer Tag, neues Glück. Eine lange und beschwerliche Radtour von etwa 30 Kilometer an der belebten Hauptstraße entlang soll mich nach Corigliano bringen. Erschwerend kommt hinzu, dass von Meereshöhe bis zum Schloß noch 300 Höhenmeter zu überwinden sind. Doch die reiche Bilderbeute entschädigt mich für die Anstrengung.


Das Rentnerpaar begnügt sich auch mit einem VW-LT, dem Vorgängermodell meiner Kutsche. Allerdings ist dieser Kastenwagen mit der Schiebetür nicht so komfortabel und nicht so gut isoliert. Doch weil sie seit Februar schon hier stehen und über das schlechte Wetter schimpfen, haben sie ihren Wohnraum mit dem Vorzelt vergrößert. Das mitgeführte Moped erleichtert ihnen die notwendigen Einkäufe.


Meine Ankunft in Calabrien fällt mit der Apfelsinenernte zusammen. Am Abend liegt über der Plantage der starke Duft dieser Südfrüchte.


Einen Luxus wie Radwege kann mit in Corigliano, Calabria, vergessen. Dicht drängen sich Schwerlastwagen am mühsam strampelnden Radler vorbei, hupen kurz bei Engpässen, dass man sich besser in den Grünstreifen drückt. Wäsche flattert von den Plattenbauten. Plastikmüll bis zu entsorgten Fernsehern modern in Gräben und Ecken. Dass die Radreifen unbeschadet über all die Splitter kommen, ist ein Wunder. Erste Eidechsen huschen an den sich erwärmden Steinen. 


Noch liegt Corigliano mit seinem Castello in weiterer Ferne. Die Sonne lässt mich meine beiden Pullis im Rucksack verstauen. Der Fußweg erleichert das Radfahren.


Zwar sind meine Muskeln müde und mürbe. Doch so kurz vor dem Ziel gibt es kein Zurück!

Auch wenn es nur noch zwei Kilometer sind, die Steigung steht mir noch bevor.


Die enge, befahrene Bergstraße lässt sich umgehen, wenn man seinen Drahtesel über diese Treppe schleppt. Dabei kommt man den historischen Wohnstätten viel näher.


Das für Italien typische Ape-Dreirad schmiegt sich eng in die Lücke. Ape-Dreiräder transportieren hier Lasten, während sie in Deutschland zumeist nur als Werbeträger Parklücken verstopfen.


Die Kirche ist gut erhalten, die Ziegelei daneben verfallen. Das Meer im Hintergrund muss man sich denken, weil es meine kleine Kompakt-Kamera nicht ins Bild bringen kann.


Ganz gegen meine Gewohnheit steht aus Gründen des Kräfte-Management der Besuch dieser Kathedrale nicht mehr auf meinem Programm. Historische Altstadt wie Schloss haben Vorrang.


Da mein Drahtesel unten an der Post beim Park angeschlossen stehen blieb, lässt sich leichter steigen. Die Straße steigt steiler an, als sich Laterne zur Seite neigt.


Schon in Portugal sind mir viele Häuser aufgefallen, die der Zahn der Zeit angenagt hat. Doch dies Eckgebäude mit der flatternden Wäsche bedarf auch gründlicher Renovierung.


Das Haus an der steilen Kehre ragt hoch hinaus. Die kleinen Fensterluken lassen die Hitze im Sommer draußen. Ob jemand dort noch wohnt, lässt sich nicht feststellen.


Blick auf das Schloss....

...Blick vom Schloss


Zugang zum Schloss über die Zugbrücke und zum Turm. Der Turm lässt sich leider nicht bis auf die Zinnen hinauf besteigen. Doch die Putzfrau öffnete mir zumindest den Zugang, um bis auf die Fenster in der ersten Empore zu kommen.


Wenn schon Schloss, dann auch Zentralheizung.
Die Schlossküche glänzt mit majestätischem Format. 


Auffällig sind die großen Schraubenfedern an der der Vorderachse, die zusätzlich zu den Blattfedern angebracht sind.


Die Schlosskapelle stellt als Altar die Heilige Jungfreu Maria mit dem Kind dar. In der Kuppel zeigt sich wie in den Himmel aufgefahren der Gekreuzigte.


Nachdem die Schlossküche mehrere Gänge bereitet hat, andächtig die hohen Herrschaften in der Schlosskapelle gebetet haben, setzt man sich an die fürstlich gedeckte und geschmückte Tafel.


Überwältigt von all der Pracht und Herrlichkeit und zudem ermüdet vom Aufstieg und Anfahrt zum Schlossberg, muss die Stuhllehne den Wanderer stützen.


Was nicht zu vergessen und zu vernachlässigen ist: Steuern und Abgaben ermöglichen den Eliten ihren aufwändigen Lebensstil.


Der Briefträger fährt Post per Moped aus.


Das ähnliche Bild wie in Portugal: Wo die historische Altstadt noch am ursprünglichsten sich darstellt, da will kaum einer mehr wohnen. Der beschwerliche Zugang über krumme Treppen und nicht einmal Zufahrt per Moped mindern die Wohnqualität.


Das Bild gibt ein guten Eindruck von Corigliano in Kalabrien. Dabei sehe man die vielen jungen Männer, die vermutlich ohne Arbeit am Vormittag auf der Straße stehen und palavern, einige Autos mit rumänischen und bulgarischen Kennzeichen, und auf meinem Rückweg per Rad an jeder Haltebucht an der stark befahrenen und lauten Straße junge Nutten, grell geschmickt, auf Fuß ramponierendem Stöckelschuhwerk in hautengen Strumpfhosen.


Dies ist der Blick vom anfangs gezeichneten Viadukt, welcher die beiden Stadteile auf gegenüberliegenden Hügeln verbindet. Der Bus wendet vor dieser engen Zufahrtstraße in einer abenteuerlichen Schleife.


Der Viadukt ist einfach nur einen Fußweg mit gebrannten Pflastersteinen.


Der alte Audi vorn rechts im Bild passt zur Stadt. Mit den durchrosteten Türblechen hätte er bei unserem TÜV keine Chance auf Zulassung. Wer sich die Bilderflut aus Chefchaouen, Marokko, einlaufen lässt - Flatrate sei Dank hier! - , die mein Bruder gestern in seinen Blog gestellt hat, ist vielleicht überrascht. Trotz eines weit niedrigenen Lohnniveaus, einem weit niedrigeren Lebensstandard der meisten Marokkaner, macht Chefchaouen einen aufgeräumteren Eindruck als Corigliano in Kalabrien. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass Chefchaouen mehr Touristen gewinnen kann als Corigliano.

Blog von meinem Bruder in Chefchauen 
Zurück in unserem Jahrtausend, zurück im Großkaufhaus Auchan, vorwärts zum Ostergeschäft: Dieser materielle Aufwand ist in marokkanischen Großstädten zwar auch in Großkaufhäusern zu finden. Doch die größte Kette Marjane gehört dem König Mohammed, dem Sechsten, kurz M6, und versorgt neben Touristen die marokkanische Oberschicht.