21 August 2014

Karlsbad - Pisek

Die 50 Kilometer von Franzensbad nach Karlsbad kann ein geübter Freizeit-Trucker schon am Vormittag schaffen. In Karlsbad setzt sich meine Kur mit gesundem Heilwasser fort. Die nächste Etappe nach Pisek ist mit 170 Kilometer schon härter. Wenn dann der als "zertifzierte Campingplatz" nicht existiert, fängt die Suche nach einem alternativen Nachtquartier an.


Doch das Minicamp Karlsbad war an dem Platz, den die Karte angab. Die tschechische Karte gibt Straßennamen, nicht Navi-Koordinaten an. Manche Straßennamen kennt das Navi nicht. Doch das Navi findet das Minicamp Karlsbad. Dort ist leicht einzufahren, ohne die ausragenden Spiegel einklappen zu müssen. 


Dass dann das Minicamp eine bessere WiFi-Verbindung anbietet als der Platz in Franzensbad, überrascht mich.


Die mit Schädeln geschmückte Holzhütte vermietet der Camp-Betreiber als "Bungalow".


Das charmante Mobiliar vor dem Bungalow wäre in reichen deutschen Städten längst auf dem Sperrmüll gelandet. .


Bootstouristen erreichen das Minicamp Karlsbad vom Fluß Eger aus an. Viele, gerade junge tschechische Touristen wandern per Kanu Fluss abwärts. In  wasserdichten Tonnen verstauen sie ihre Utensilien. Schnell bauen sie ihre einfachen Zelte auf. Das Minicamp verfügt über zwei Holzanhänger, auf denen die Wasserwanderer ihre Kanus vom Ufer zum Zeltplatz bequem transportieren.



Dieser Skoda TAZ- S 1203 ist eines der ältesten Autos auf dem Weg zur Stadt. Die meisten Menschen fahren neuere Modelle, sehr viele von Skoda. Die Russen reisen eher mit westlichen Luxuslimousinen..

Der quitschgelbe Trabbi wurde 1967 gebaut. Wer 1555 Euro hinlegt, kann den Plastikbomber mitnehmen.


Bevor die Kurpaläste, welche die Jahrhunderte überdauert haben, bevor die Statuen hier im Blog zu bestaunen sind, ein Blick auf alte Gebäude. Das linke Haus wartet noch auf eine grundlegende Sanierung.


Auch diese Garagen-Anlagen sind, wie in den neuen Bundesländern, auch in Tschechien üblich.


Genug von ärmlichen Autos, windschiefen Garagen und verfallenden Häusern. Wer luxuriös reist, lässt es sich schmecken. Pilsener Urquell, Fischsuppe, zwei gebratene Forellen mit Kroketten, Salat, und Kaffee blähen die Rechnung auf 17 Euro auf.


Neben Pilsener Urquell gehört in Tschechien der 38-Prozentige Becherovka zu den Nationalgetränken.


Große Geister aus den vergangenen Jahrhunderten haben in den heilenden Kurquellen von Karlsbad Kraft für neues Schaffen gefunden. Beethoven bedroht mit seiner titanischen Größe den Betrachter.



Bescheidener erinnert diese Wandtafel an Dvorak.



Karl Marx wiederum setzt sich mächtig in Szene - gerade passend in der Nähe zur russisch orthodoxen Kirche.



Smetanas Statue steht grün im Grünen.


Die Anlage des Hotel Pupp erstreckt sich über mehrere Hundert Meter. Der weiße Müllwagen hinter dem Baum verdeutlicht die Größenverhältnisse.


Auch dieser Seitenflügel gehört zum Komplex von Hotel Pupp. Diese Anlage ist nur eine von vielen.


Hier reicht zwischen Fluß und Hügel der Platz einfach nicht aus, um riesige Komplexe hin zu klotzen.


Mehrere Arkaden schützen vor den Unbillen des Wetters. Der Genuss der zahlreichen Quellen mit Temperaturen zwischen 72 und 30 Grad sollen den Körper verjüngen und Krankheiten heilen.


Viele wandeln mit einem speziellen Trinkgefäß herum. Der hohle Griff ist ein Rohr, aus dem sich leichter trinken lässt. Andere nutzen Plastikflaschen für das Heilwasser. Selbst Thermoflaschen bieten die Verkaufstände an, um die Brühe stundenlang warm zu halten.


Arkaden, sprudelnde Heilbrunnen, fotografierende und trinkende Touristen, Statuen und noble Hotels beherrschen das Stadtbild von Karlsbad - zumindest im Kurbezirk.


Leider hat mich bei dieser Aufnahme das Sonnenlicht im Stich gelassen. So muss sich der Betrachter die vergoldeten Verzierungen strahlend denken.


Gold als werbende Botschaft hat der Klerus schon lange im Programm, bevor Hoteliers diese Idee für ihre Fassaden übernahmen.


Von einer Krone, von Engel bewacht, lässt sich der Kunde von dieser Sparkasse doch gerne bis auf sein letztes Hemd ausplündern.


In der Karlsbader Getränkehalle sprudeln die heilenden Wässerchen in abgestuften Temperaturen aus den verchromten Rohren.


Wer ein paar Euro übrig hat, kann sich in der Glashütte Moser beispielsweise diese hübsche Obstschale gönnen.Die Schale kostet 52700 Kronen - bald 2000 Euro.


Mir reichen preiswertere Vergnügungen: Das Schwimmbad im Freien ist zum Drittel mit Thermal, zu zwei Dritteln mit normalem Wasser gefüllt. Rentner, ab 65 Jahre, erhalten Ermäßigung.


Thermalbad und Thermalhotel zeugen von sozialistischer Architektur  und Arbeit. Doch die Anlagen sind gut erhalten.



Die russisch-orthodoxe Kirche wird gerade renoviert. Front und Spitze strahlen schon in goldigem Glanz.


Einige von den 180 Kilometern Rad- und Wanderwegen über die Hügel von Karlsbad sind mir nun auch schon bekannt. Von der Stadtmitte von Karlsbad bis zum Vorort-Bahnhof und die Eger flußaufwärts ist mir die Gegend schon ein wenig in drei Tagen vertraut geworden.


Der Karlsbader Vorort Bahnhof von Doubi verfällt.


Eine Radtour führt mich von Karlsbad  den Fluß Eger aufwärts durch wunderschöne Waldlandschaften.


Auf dem Wasser tummeln sich Bootfahrer, im Felsen die Kletterer und auf den Waldwegen treffen sich Spaziergänger und Radfahrer.


Diese schwankende Brücke über die Eger schwingt in Stahlseilen. Mehr als sechs Personen dürfen nicht gleichzeitig auf das wackelige Bauwerk.


Die Radtour am Ufer führt an diesem Camp für Wasserwanderer vorbei. Die Kanuten haben ihr Tagespensum geschafft und bauen ihre leichten Zelte auf. Der abendliche Regen treibt mich für eine Stunde in eine Wirtschaft, die Bootsfahrer verschwinden in ihren Zelten.


Das war dann die letzte Abendsonne auf dieser schönen Radtour. Am Ufer mühen sich noch Kanuten, ihr Boot über die Stromschnelle zu bringen.


Nach drei Tagen in Karlsbad geht es mit dreieinhalb Liter Thermalwasser aus den Heilquellen weiter. Mein Ziel in 170 Kilometer südöstlich heißt Pisek. Meine tschechische Karte mit zahllosen eingetragen Campingplätzen stammt vom letzten Jahr. Doch der "zertifizierte Campingplatz" names "ATS HRADISTE" findet sich nicht unter der angegebenen Adresse. Ein weiterer Platz, den die Karte in Putim verzeichnet, kennt das Navi nicht - wenn es denn den Platz überhaupt gibt. Endlich findet sich doch noch ein verschwiegenes Örtchen namens "OTAVA" in dem Ort Steken.


Für viereinhalb Euro verwöhnt mich dieser Platz in Steken mit Strom, Wasser und sogar einer vorzüglicher WiFi-Verbindung. Nur das Warmwasser der Dusche muss man sich mit einer 10 Kronen-Münze frei schalten.


Die Stromschnelle ist so angelegt, dass eine Fahrspur den Bootsfahrern eine vergleichsweise gefahrlose Abfahrt gestattet.


Die tschechischen Camper sind noch die Echten. Abends brennen fünf, sechs Lagerfeuer im Camp. Die Menschen singen, schwatzen und lachen. Die Temperatur fällt gegen Morgen auf 10 Grad Celsius. Während mein Teewasser kocht, fängt leiser Nieselregen an. Dennoch sind nach meiner langen Radtour am Abend alle Zelte verstaut, alle Wanderer treiben ihre Boote flußabwärts auf der Otava. So heißt der Fluß.


Man vergleiche diese tschechischen Camper einmal mit den Dauergästern auf einem Camp bei Starnberg. Diese fest verbauten Zweitwohnungen bei Starnberg nutzen die Camper nur für kurze Zeit im Jahr. Für die übrige Zeit kassiert der Platzwart den Jahresbeitrag. Für diese Art von Camping wäre eine Steuer für einen zweiten Wohnsitz angebracht.


Hier sind die Bootsfahrer unterwegs. Auf meinem Rückweg von der harten Tour Steken - Pisek sind diese Bilder entstanden. Morgens noch kämpfte mein Körper gegen Kälte und Nässe. Zudem ging es bei Putim noch in eine Steigung, die mir alle Kräfte abforderte.


Tschechien ist nicht nur ein Paradies für Bootsfahrer. Auch für Radwanderer sind Wege ausgewiesen. Diese führen zum Teil durch Wald und Flur, auf und ab. Eicheln fallen auf den Weg. Apfelbäume säumen die Landstraßen. Wo es über Asphaltstraßen geht, stört kaum ein Auto.


Dies lauschige Dorf heißt Putim, wie der russische Präsident, nur mit "m" am Ende. Die uralte Steinbrücke ist für Fahrzeuge über drei Tonnen gesperrt.


Der Radweg führte mich über einen Höhenzug in die Waldeinsamkeit. In dem Gehege züchtet ein Farmer Rebhühner. Der Rückweg ging am Fluß Otava entlang, wodurch mir der Höhenzug erspart blieb. Ohnehin war die Tour von Steken nach Pisek zwar überaus romantisch und führte durch wenig berührte Natur. Doch 20 Kilometer häufig durch Wald und Wiese ermüden schon sehr.



Dies Denkmal scheint ein Wahrzeichen von Pisek zu sein. Die Schlange würgt den Löwen im Kampf auf Leben und Tod. Die Inschrift gibt die Jahrzahl 1869 aus. Vermutlich haben Zoologen späterer Zeit diesen  Kampf ins Reich der Fantasie verwiesen.


Neben der beeindruckenden Architektur des Eckhauses ist noch wunderbarer, dass die Sonne gegen Mittag den Kampf gegen die Wolken gewinnt.


Die Sonne, endlich kommt Sonne. Die goldenen Verzierungen auf dem Rathaus von Pisek spiegeln die Strahlen der Sonne wieder.


Pisek kann sich ältesten Brücke in Böhmen rühmen. Sie stammt aus dem 13. Jahrhundert. Beim Jahrhunderthochwasser 2002 war die Brücke vollkommen unter Wasser, hat aber den Druck ausgehalten. Im August 2002 war der Fluß Otava neun Meter hoch. In diesem August plätschert das Wasser friedlich über herausragende Steine.


Schwere Armierungen aus Holzbalken, die Eisenbahnschienen beschweren, schützen die Stützpfeiler der Brücke.


Zudem schützen Engel und der Heilige Nepomok das uralte Bauwerk. Nepomok scheint in Böhmen heimisch zu sein. Jedenfalls führte mein Weg von Pilsen nach Pisek auch über einen Ort namens Nepomok. Obgleich mich ein köstliches Mittagsmahl in Pisek stärkt, muss der ausgelaugte Körper noch den Rückweg nach Steken radeln.


Ein Blick zum Abschied auf das eindrucksvolle Bauwerk, dann geht es am Fluß Otava aufwärts Richtung Steken.


Das Wetter lohnt mir meinen radelnden Fleiß. Kaum kommt die Sonne, wird es warm genug auf der nächsten Bank eine Prise stärkenden Schlaf zu nehmen. Der Uferweg ist so einsam, dass kein Mensch meine Ruhe stört. Die Enten quaken mich in Schlummer.


Eine Buchhandlung in Pisek bietet neben Radwanderkarten auch einen hervorragend illustrierten Flußführer. Die schwierigen Stromschnellen zeigt das Büchlein in kommentierten Fotos. Pfeile weisen die Wanderer an, wo die Boote zum Umtragen hinaus müssen und wo sie wieder eingesetzt werden können.


Wer Wasser, Wald, Wiesen und die Einsamkeit liebt, findet in Böhmen sein Paradies.


Fünf Kilometer noch bis zum Camp. In Cejetice stärkt mich eine freundliche Gastwirtfamilie mit Cafe und Palatschinken. Stolz zeigt mir der Wirt seine Waffensammlung. Deutsche Maschinengewehre, Kalaschinikow, Handgranaten und ein Schild, dass Fotografieren verboten sei, gruseln den Betrachter. Doch der Wirt freut sich.


Mit diesem ausgezeichneten Palatschinken schließt die lange Radtour von Steken nach Pisek. Der verschwitzte Körper hat sich sein Essen wie auch seine Dusche am Camp verdient. Dass ein Bus bei meinem Nachmittagsmahl auf der kleinen Straße vorbei donnert, ist eher unterhaltsam als störend. Zu guter Letzt reichte die Kraft sogar noch, um drei Kleidungsstücke zu waschen. Dann kann meine